Tuesday February 09th 2010 Steinbild@01:01 · 1 Comment
Hab mir gestern den großartigen Film “Up in the Air” im Sony Center angeschaut. Sehr witziger, hintergründiger Film über einen “Karriereübergangsberater” (gespielt von George Clooney), der 322 Tage im Jahr in der USA unterwegs ist und in dieser Zeit im Auftrag unliebsam gewordene Mitarbeiter feuert. Er ist dabei eiskalt, aber professionell einfühlsam und durchwegs nonchalant.
Der Vorspann ist mit Musik von Sharon Jones & The Dap-Kings unterlegt, und zwar mit dem Song “This land is your land” von der fantastischen LP “Naturally”. Ein Woody Guthrie Song, der die Kapitalismuskritik des Films nur noch unterstreicht. Klasse Einstieg! Übrigens auch die B-Seite der Single “What if We All Stopped Paying Taxes”.
Im weiteren Verlauf des Films gibt es aber dann auch eine Party-Szene mit Young MC (der etwas älter geworden ist) und Cut Chemist! Sie performen Young MCs großen Hit “Busted a Move”.
Es freut mich einfach, dass so eine kleine Szene dann doch authentisch gedreht wird. Sie hätten ja auch einen Statisten für die zwei Sekunden hinters Dj-Pult stellen können. Spricht für den Film.
Dass viele Blues- und Soulsänger ihre Ausbildung in Gospelchören bekommen haben, ist hinlänglich bekannt. Die ungemeine Bedeutung und der Einfluss auf die schwarze Musikszene wird aber erst recht in der soeben auf Numero Group erschienenen Zusammenstellung “Good God! Born Again Funk” deutlich.
Der Grossteil der Aufnahmen dieser Platte stammt aus Chicago aus den Jahren 1970-1985, als es das Gospelzentrum der USA war. Viele kleine, lokale Platten-Labels schossen aus dem Boden, sie profitierten nach dem Krieg vom Boom auch im Bereich der Aufnahmetechniken. Die meisten standen in engem Kontakt zu Kirchen und ihren charismatischen Pastoren.
Der Erfolg von Chess beispielsweise, der bedeutendsten Blues und Soul-Schmiede Chicagos, wäre ohne das Musiker-Potenzial der unzähligen Gospelchöre und Gruppen undenkbar gewesen. Viele Sänger, Musiker, Komponisten und Produzenten, rekrutierte man aus der vitalen Christen-Szene. Und die kleinen Labels nahmen viele Gospelsongs auf, um von dem Markt der Gospelmusik zu profitieren.
Dabei waren bei weitem nicht alle Gospel Songs so heilig und christlich vorbildlich, wie sich das ein katholischer oder evangelischer Priester denkt, der sich heutzutage einen Gospel-Chor zu sich in den Gottesdienst einlädt. Im Gegenteil: Die Songs werden einerseits fromm vorgetragen, sind aber andererseits so obzön, heiss, derb und handeln von Suff und dem Blues, um dann wieder geläutert in religiösem Rausch wegzuschweben. Gerade dieser Konflikt macht gute Gospelmusik so glaubhaft und authentisch.
Auf diese offensichtlich widersprüchlichen Stücke hat es «Born Again Funk» abgesehen. Funk steht nämlich für einen unverhohlenden SexBeat, die Versuchung, der man eigentlich nicht widerstehen kann und das Leben so kompliziert machen kann – obwohl man es eigentlich besser weiss. Rausch und Ekstase ja – aber wenn schon, dann wenigstens mit Jesus, oder «Baby» wie Sam Cooke ihn nennt. Davon handeln die Songs, gesungen von Leuten, denen man es abnimmt. Und in der Sprache der Leute auf der Strasse: Die Musiker meisten spielten «unheilige» Musik am Samstag und «heilige» am Sonntag.
Die Platte beginnt mit Pastor T. L. Barrett & the Youth For Christ Choir «Like A Ship», einem epochalen Stück, das mitreisst und den Hörer sofort in den Bann der «Jesus-Freaks» zieht, ob man es will oder nicht: «Just like a ship…without a sail / [...] / I sailed for pleasure, but I found pain / I looked for sunshine…but I found rain…» ist einfach unwiderstehlich.
Es ist wohl kein Zufall, dass der charismatische Pastor T. L. Barrett in seiner Mt. Zion Church Musiker in den Bann zog, die nachher bedeutend wurden: Maurice White von Earth, Wind and Fire, Sun Ra / African Heritage Ensemble Mitglied Phil Cohran, Donny Hathaway plus seinem berühmtem Sideman Phil Upchurch und ausgewählte Chess-Musiker.
Ein Highlight ist Ada Richards «I’m Drunk & Real High (On The Spirit Of God)», die ihre fünf gutgehenden Schönheits Salons verliess, um in Kirchen auf der Strasse und in Spitälern ihre Botschaft zu verbreiten. Ihre Aufnahmen und Glaubenszüge finanzierte sie eben mit diesen Einnahmen.
Beim Hören wird einem immer wieder bewusst, wieviel Einfluss die Gospelmusik auch auf den Country-Folk bis heute hatte.
Numero Group hat einen sehr guten Ruf, unentdeckte Soul-und Funk Perlen auszugraben, diese Zusammenstellung ist schon die 30. Veröffentlichung des Labels, und vielleicht eine der Besten. Jedes Stück ist es wert, neu entdeckt zu werden. Man kann «Gott» für dieses Album nur danken, ob man an ihn glaubt oder nicht.
Tracklist:
1. “Like A Ship” – T.L.Barrett
2. “I’m Drunk & I’m Real High (In The Spirit Of God)” – Ada Richards
3. “Yes God Is Real” – Gospel Comforters
4. “Packing A Grip” – Golden Echoes
5. “Pray A Little Longer” – Lucy Rodgers
6. “If Jesus Came” – The Gospel Soul Revivals
7. “Troubles Of The World” – Brother Samuel Cheatam
8. “I Know I’ve Been Changed” – Victory Travelers
9. “God Will Answer” – Jordan Travelers
10. “Same Thing It Took” – Inspirational Gospel Singers
11. “Somebody’s Watching You” – The Sacred Four
12. “Peter & John” – Andrew Wartts & The Gospel Storytellers
13. “I Know Him” – Holy Disciples
14. “Share Your Love With The Master” – Sensational Five Singing Sons
15. “I Thank You Lord” – Little Chris & The Righteous Singers
16. “Coming On Strong Staying Along” – Sensational Five Singers
17. “Been Trying” – Chicago Travelers
18. “I’ll Take Jesus For Mine” – James Austin
Friday February 05th 2010 Steinbild@16:43 · No Comments
Freitag, 05.02.2010 Berghain – Honest Jons presents
Will Bankhead | Moodymann kdj | Actress | Joy Orbison hotflush
Panorama Bar – …get perlonized!
Zip perlon | Half Hawaii perlon | Sammy Dee perlon | Ricardo Villalobos perlon
Das Londoner Qualitätslabel Honest Jon‘s, das in der Portobello Road auch einen sehr gut sortierten Plattenladen für Musik aus aller Welt betreibt, gestaltet im Februar zum ersten Mal einen Abend in einem deutschen Club. Gäste sind unter anderem der Hausgrafiker Will Bankhead, der mit seiner umfassenden Sammlung jamaikanischer Singles fulminante Reggae-Sets spielt, Joy Orbison, der mit nur zwei Veröffentlichungen gerade zum neuen Dubstep/Garage-Wunderkind hochgejazzt wird, Actress, der Betreiber des hochinteressanten Leftield-Labels Werk Discs, sowie last but not least Detroits sexiest mutha fucka Moodymann, der sich mit einem speziellen Set auf den für ihn doch ungewöhnlich proportionierten Dancefloor einstellen will. In der Panorama Bar gibt es nach der Pause im Januar auch wieder eine Nacht mit Perlon, die mit einem Half Hawaii (=Sammy+Bruno Bronsato) Live Act sowie Zip, Sammy und Ricardo an den Turntables fast ein kleines Label-best-of präsentieren.
Wednesday February 03rd 2010 Steinbild@23:32 · 4 Comments
Sonntag, 07.02.2010
Das wäre ja mal ein Grund nach Köln zu fahren: Phantastisches Line-Up, zwei Knaller Soul-Bands aus New York, Lee Fields & The Expressions + The Manahan Street Band, feat. Charles Bradley.
LEE FIELDS hat mit seinem Album “My World” ein herausragendes Stück Soulmusik geschaffen. An einigen Stellen wird sogar vom besten Soul-Album des jahres 2009 gesprochen. Wie grandios das live ist, was der Herr so macht, durften wir schon erleben, als er Köln einmal mit den Sugarman Three von Daptone Records zum Beben brachte. Diesmal kommt er mit den EXPRESSIONS, mit denen er auch das Album für Truth and Soul eingespielt hat. Eine absolut erstklassige Besetzung für eine Super Soul Revue.
Doch nicht genug der Extraklasse – wir setzen noch einen drauf:
Aus dem Hause Dunham/Daptone stammt die zweite Band des Abends – MENAHAN STREET BAND. Sie kommen mit CHARLES BRADLEY, einem weiteren Sänger alter Schule und erster Güte und auch sie haben mit ihrem Debütalbum ein großartiges Meisterwerk vorgelegt, das den Maßstäben, die die Dap-Kings mit Sharon Jones legten, absolut gerecht wurde. Live waren sie in Deutschland bis dato noch gar nicht zu sehen.
Eine einmalige Gelegenheit eine Super Soul Revue der besten Art aus New York in Köln zu erleben!
Eine J-K-MUSIC-Produktion.
Mit der freundlichen Unterstützung von:
soulsender.de, Prinz Köln, Bunch.TV, laut.de, Kelsdesign, The Shack, The Jazzshack, Beatpackers, Uptown Strut, The Upper Soleciety, Tighten Up Cologne und koelncampus.
Andy Votel [UK] Manchester-based Andy Votel (Andrew Shallcross) is renowned for his eccentric compilations of obscure folk, prog and psych: 2003’s Music to Watch Girls Cry, 2005’s Songs in the Key of Death, 2007’S One Nation Under A Grave and 2008’s Brazilika. Label founder of indie imprint Twisted Nerve Records (with Badly Drawn Boy) and Finders Keepers, Votel is also a producer and sought after remixer.
Wednesday February 03rd 2010 Steinbild@15:04 · No Comments
Samstag, 12.02.2010
Die BarBoBu-Band lädt zu einer neuen Soul-Revue, aber diesmal nicht mit Cover-Songs, wie man das gewohnt war, nein, jetzt spielen sie ausschließlich eigene Songs!
Als Djs sind einerseits Johnny Hitman (Soulkombinat) gebucht, andererseits kommt einer der Macher von Soulsender.de,Souleil, für ein Dj-Set vorbei.
Line-Up:
BarBoBu Revue!!! feat. The Thiams, Jumaa, Boo Boo & The Tricks, BarBoBu-Hausband + special guests
Djs: Johnny Hitman (Berlin, Soulkombinat), Souleil (Köln, Soulsender.de)
21:00 Uhr, Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Strasse 130, Berlin Kreuzberg, vor 22 Uhr 5 €, danach 8 €
Tuesday February 02nd 2010 Steinbild@16:13 · No Comments
Coming April 6th 2010
*Get a sneak preview of the album and download the single “I Learned the Hard Way” for free!Go here, now.
Produced by Bosco Mann and recorded on an Ampex eight-track tape machine by Gabriel Roth in Daptone Records’ House of Soul studios, this record drips with a warmth and spontaneity rarely found since the golden days of Muscle Shoals and Stax. Sharon’s raw power, rhythmic swagger, moaning soulfulness, and melodic command set her firmly alongside Tina Turner, James Brown, Mavis Staples, and Aretha as a fixture in the canon of soul music. From the lushPhilly-Soul fanfare that ushers in “The Game Gets Old” at the top of the record, to the stripped down Sam Cooke-style“Mama Don’t Like My Man” at the tail, the Dap-Kings dance seamlessly through both the most crafted and simple arrangements with subtlety and discipline. I Learned the Hard Way is the “Daptone Sound” at its finest.
‘Turn It Up’ sees the Aussie kings of funk enlisting the vocal stylings of Californian hip hop sensation Lyrics Born, one of the best loved, most critically acclaimed and biggest selling independent hip hop artists of the last decade.
A fiery brew showing scant regard for genre boundaries, this track is already causing a stir with fans of hip hop, funk, rock and pop alike, so whatever your stylistic leanings, if you’re a sucker for a catchy mother****er, ‘Turn It Up’ will have its wicked way with you.