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Guter Hip Hop-Verrat: RJD2 – The Colossus

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Hip Hop-Produzent Ramble John Krohn alias RJD2 spielt in einer anderen Liga als z.B. Timbaland oder Kanye West: In der Independent-Liga nämlich. Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen überzeugt sein viertes Album „The Colossus“ mit einer gelungenen Mischung aus Songwriting und Track-Schrauberei.

Krohn hatte, nachdem er mit der Hip Hop Formation MHz reüssierte, mit „Dead Ringer“ 2002 einen in der Hip Hop-Szene hochgelobten Klassiker hingelegt. Und sogar kommerzieller Erfolg blieb nicht aus, denn ein Song („Ghostwriter“) schaffte es in diverse Werbespots und Soundtracks.

Die HipHop-Nerds und selbsternannten „Realkeeper“ hätten ihn gerne auf diesem Niveau behalten, die weiteren Veröffentlichungen wurden schon nicht mehr mit viel Wohlwollen aufgenommen,“The Colossus“ ist für sie nun der endgültige Verrat. Denn so poppig darf man ihrer Meinung nach nicht produzieren, was das Album allerdings für Hörer außerhalb dieser Szene umso interessanter macht.

Dabei versuchte der Mann aus Oregon/USA, sich weiterzuentwickeln und seinen Stil zu verfeinern – sprich: auch neue Wege zu gehen. Höhepunkt dieser Entwicklung ist nun die Gründung seines eigenen Labels „RJ’s Electrical Connections“ und eben sein neuestes Werk „The Colossus“.

Neu ist zum Beispiel, dass Krohn alle Beats bis auf zwei Songs mit Instrumenten eingespielt hat und mit Unterstützung der Gastsänger/Rapper Phonte Coleman (Little Brother, Foreign Exchange), Kenna (Star Trak, VA Beach), Aaron Livingston (The Roots’ Guns Are Drawn), Columbus MC’s The Catalyst, Illogic, NP und verschiedenen Instrumentalisten.

Der Eröffnungs-Track „Let There Be Horns“, die Single-Auskopplung, ist dann auch eher ein Blick in die Vergangenheit oder eine Remineszenz an seine alten Fans, denn diese ultra-treibende Funk-Nummer hat er grossartig aus Samples zusammengeschraubt: Ein Moog-geschwängerter, hochspannender Action-Soundtrack mit orientalischen Streichersätzen.

Der Gegensatz dazu folgt auf dem Fusse. „Games You Can Win“ kommt als seichter Popsong daher, ist aber ausgeklügelt und fett im Sound. Die Überraschungen auf „The Colossus“ sind allerdings zwei Songs, auf denen RJD2 selbst zum Mikrophon greift. „The Glow“ und „Gypsy Caravan“ lehnen sich offensichtlich an die späten Beatles (!) an und sind die poppigen Ohrwürmer des Albums.

Schwache Tracks gibt es aber auch: „Giant Squid“, „A Spaceship For Now“ oder „Small Plans“ plätschern unspektakulär dahin und wirken wie eine unmotivierte Session der Musiker.

Allerdings ist auch ein Track für die Rap-Gemeinde wie gemacht, übrigens der einzige Rap-Track des Albums, der zweite ausschliesslich aus Samples zusammengeschraubte, und ein ausgezeichneter dazu: „A Son’s Cycle“ zeigt die Rapper The Catalyst, Illogic und NP in einem düsteren, psychedelischen Machwerk, das RJ geschickt zusammengefügt hat: Er verwendet drei verschiedene Beats für jeden der Verse, mischt sie schlüssig zusammen, und wie er im Endeffekt die Vocals der MCs ineinander fadet, ist einfach meisterhaft. Wenn dieses Stück die Rap-Fans nicht überzeugt, verstehe ich die Welt nicht mehr.

Alles in allem ist „The Colossus“ eine hochinteressante, sehr gute, abwechslungsreiche Scheibe, die den Spagat zwischen Underground-HipHop und Popmusik schafft. Jon Krohn hat’s einfach drauf: Er zeigt ein feines Gefühl für Produktion und Sound und ist meiner Meinung nach auf dem richtigen Weg: „Walk with Me“ singt RJD2 auf dem letzten Stück und das will ich gerne machen.

http://www.myspace.com/rjd2
http://rjselectricalconnections.com

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