≡ Menu

Arte: Vinylmania – Das Leben in 33 Umdrehungen pro Minute

Donnerstag, 03.11.11, 22:25 – 23:40 (75 Min.)

Der Fim ist jetzt in der Arte-Mediathek noch einmal zu sehen:
http://videos.arte.tv/de/videos/vinylmania-4234866.html

Vinylmania – Das Leben in 33 Umdrehungen pro Minute, Italien, 2010, 75min., ZDF, Regie: Paolo Campana
Wiederholungen: 14.11.2011 um 10:05 Uhr, 23.11.2011 um 03:30 Uhr

Ich kannte einige Leute, die damals Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre von Vinyl auf CD umgestellt und ihre komplette Sammlung verkauft haben. Fand ich ziemlich bekloppt, weil ich erstens nicht das Geld hatte und zweitens mir bei CDs – bei aller klanglichen Vorteile (kein Knistern und Trittschall mehr) – das Cover deutlich zu klein war. Die haptische Komponente war mir damals noch gar nicht so bewusst. Die Entscheidung von damals, vom Medium her zweigleisig zu fahren, habe ich bis heute nicht bereut, auch wenn man eine zehnjährige Durststrecke überwinden musste, in der anfangs nur noch schlecht gepresste Platten rauskamen, und später gar keine mehr. Ich hatte damals schon das Gefühl, dass die Platten-Industrie gemacht hat was sie wollte und uns kräftig verarscht hat: Bei der Umstellung der Medien von analog auf digital haben sich die Großkonzerne dumm und dämlich verdient (deswegen kann mich das Klagen wegen des mp3-Filesharings nur amüsieren, haben sie doch selbst das digitale Format eingeführt).

Allerdings sollte meiner Meinung nach – bei aller Liebe zum Medium – die Musik im Vordergrund stehen. Leute, die nur darauf schielen, eine besonders rare Ausgabe zu ergattern, am besten noch besonders günstig, freuen sich gar nicht mehr über die Musik und die Platte, sondern ausschließlich über den Mehrwert, den sie gemacht haben. Ich persönlich finde das ekelerregend. Das sind Briefmarkensammler, und wie ich letztens bei einem Besuch im Plattenladen erfahren musste, gibt es dort keine Nachwuchssorgen. Schließlich werben mittlerweile Banken, Versicherungen und Bausparkassen mit Fotos, auf denen im Traum-Eigenheim ein Plattenspieler im Hintergrund steht. Stylisch. FUCK YOU!

Arte schreibt:

Während viele Musikfans schon gar nicht mehr wissen, wie ein Plattenspieler überhaupt funktioniert, halten andere vehement an ihren alten Vinylscheiben fest. Wiederum andere entdecken die Lust am ganz besonderen Sound der feinen Nadel neu. Mit seinem originellen, (selbst-) ironischen Blick auf die Schallplatten-Obsession in einer weitgehend digitalisierten Musikwelt begleitet der Dokumentarfilm den Regisseur Paolo Campana bei seiner weltweiten Recherchereise auf der Suche nach dem Geheimnis der schwarzen Scheibe.

Von Tokio bis New York, London, Paris und Prag begegnet man dem rätselhaften Stamm der Sammler, DJs, Musiker und Künstler. Es gibt wieder Geschäfte, in denen sich Leidenschaft in Fieber verwandelt und eine Fabrik, die wieder Millionen Scheiben presst – die Schallplatte ist zurück und das leise Knistern ist wieder da! Woher kommt dieses Revival der totgesagten schwarzen Scheibe?
Was entdecken junge Leute an der Schallplatte, die zwar nie ganz weg war, aber doch eher als Relikt für unverbesserliche Nostalgiker galt? Nun will so mancher der Jugendlichen, die mit unendlich reproduzier- und kopierbaren Musikdateien aufgewachsen sind, dem sinnlichen und emotionalen Geheimnis dieser zerbrechlichen Scheibe näher kommen. Was die Schallplatten-Maniacs immer wussten: „Vinyl doesn’t die“ wird jetzt von denen bestätigt, die Schallplatten cool finden.
Paolo Campana, Autor und Regisseur von „Vinylmania“, ist selbst DJ, die Platten sind sein Handwerkszeug und seine große Liebe. Und allabendlich kommt er mit jungen Leuten ins Gespräch, die sich über die Generationen hinweg interessieren für die Geschichten, die Plattenfans, Musiker und Künstler mit dem Objekt ihrer Begierde verbindet. Natürlich ist das Revival der Schallplatte kein Massenphänomen – wohl aber eines, das eine große Sehnsucht nach Sinnlichkeit zum Ausdruck bringt. Denn im Gegensatz zu einer MP3-Datei kann man die Platte anfassen, scratchen und mit einem stilechten Cover versehen. Und vor allem verbinden sich mit ihr für diejenigen, die mit der Scheibe aufgewachsen sind, häufig die wichtigen Geschichten des Lebens.
„Vinylmania“ macht sich auf die Suche nach der alten und neuen Leidenschaft für dieses Objekt und legt die Welt der Vinylisten in 33 1/3 Umdrehungen pro Minute noch einmal neu auf.

{ 2 comments… add one }
  • Steinbild 4. November 2011, 00:41

    Ich fand den Film eigentlich ganz gut, aber doch sehr einseitig. Wie soll ich denn Leute ernst nehmen, die mir erzählen wollen, dass Platten besser klingen, wenn sie eine Schrottanlage stehen haben oder vielleicht mit einer abgenudelten Nadel ihre Platten hören, mal vom philosophischen Aspekt – echter Klang oder nicht – abgesehen.
    Der Schallplattenmessi war ziemlich schlimm. Bei der Szene mit den Platten, die angeblich beim Hochwasser zerstört wurden, hat mir die wichtigste Info gefehlt: Die Cover sind kaputtgegangen, das Vinyl wird durch Wasser nicht angegriffen.

  • Karl Hausser 3. November 2011, 23:45

    sehr schön 😉

Leave a Comment